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Saskia, 10 Jahre. „Eigentlich ist sie nur etwas veträumt.“

Saskia in der Schule

Saskia in der Schule

Saskia ist zehn Jahre alt und besucht die vierte Grundschulklasse. Obwohl sie immer fleißig lernt, weiß sie in den meisten Klassenarbeiten nur noch wenig. Irgendwie ist plötzlich alles wie weggeblasen.

Die Lehrerinnen können sich über Saskias Sozialverhalten nicht beklagen. Das Mädchen sitzt ruhig an seinem Tisch und stört nie. Sie hält ihren Platz in Ordnung und sogar der Ranzen wirkt aufgeräumt. Auch ihr Schriftbild erscheint in der Regel sehr ordentlich.

Umso unverständlicher scheint es, dass Saskia in ihren Leistungen so sehr nachgelassen hat. Etwas verträumt war sie schon immer, aber bis zum dritten Schuljahr ist sie ganz gut mitgekommen.

Wahrscheinlich braucht sie einfach mehr Zeit, sich zu entwickeln. Sie ist eben sehr langsam und lässt sich schnell ablenken.

Auch zu Hause ist alles zu viel

Auch zu Hause ist alles zu viel

Abends fällt Saskia oft vor lauter Bauch- und Kopfschmerzen das Einschlafen schwer. Auch die „blöden“ Aufgaben ihrer Mutter, wie Getränke holen oder Wäsche sortieren, kann sie sich nur selten merken. Es scheint oft einfach alles viel zu viel für sie.

Saskias Eltern verstehen die Welt nicht mehr. Ihre beiden ältesten Kinder besuchen erfolgreich das Gymnasium, und auch für Saskia sah es bis zum dritten Schuljahr so aus, als könne sie den älteren Geschwistern folgen.

Einzig Saskias fehlende Selbständigkeit war schon immer etwas auffällig. Oft ist es notwendig, wegen der Hausaufgaben bei den Klassenkameradinnen anzurufen, da Saskia vergessen hat, sie aufzuschreiben. Auch bei der Erledigung der Aufgaben muss man neben ihr sitzen, weil sie einfach keinen Anfang findet. Mit etwas Unterstützung funktioniert es dann aber recht gut.

Umso bedauerlicher ist es, dass Saskia das, was sie zu Hause beherrscht, in den Klassenarbeiten nicht umsetzen kann. Die einzige positive Ausnahme in letzter Zeit gab es, als Saskia wegen einer Erkrankung die Deutscharbeit alleine mit der Lehrerin nachschreiben musste.

Hilfe für Saskia

Hilfe für Saskia

Ein Gespräch mit den Lehrerinnen zeigt Saskias Eltern, dass ihre Tochter Hilfe braucht. Schon seit einiger Zeit will sich Saskia nicht mehr mit Schulfreunden verabreden und das einst so fröhliche Kind hat sich immer mehr in sich zurückgezogen.

Ein Kinderarzt überweist Saskia zu einer Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die sich sehr viel Zeit für Gespräche und sorgfältige Diagnostik nimmt. Nach eingehenden Untersuchungen kommt die Ärztin zu dem Ergebnis, dass bei Saskia eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung, jedoch ohne Hyperaktivität (ADS) vorliegt. Sie klärt die Eltern über mögliche Therapien auf, die Saskia unterstützen können.

Nach sorgfältigen Überlegungen stimmen sie zu, dass Saskia mit einem aufmerksamkeitsfördernden Medikament behandelt wird und eine Verhaltenstherapie erhält. Dank verständnisvoller Lehrerinnen, die Saskia nun verstärkt Strukturierungshilfe geben, ihre Konzentration immer wieder zum Unterricht zurücklenken und es ihr ermöglichen, die Klassenarbeiten in der Zweiersituation zu schreiben, kann das Mädchen aufatmen und erste kleine Erfolgserlebnisse verbuchen.

Nach der vierten Klasse wechselt sie auf eine Realschule, wo sie erfolgreich am Unterricht teilnehmen kann.