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Informationen zu gesetzlichen Ansprüchen bei ADHS

Die meisten ADHS-Kinder benötigen in der Schule besondere Unterstützung und Förderung, damit sie ihre Möglichkeiten ausschöpfen und somit den schulischen Erfordernissen gerecht werden können.

Sie als Lehrer können den Familien helfen, indem Sie die Eltern betroffener Kinder auf in gesetzlichen Regelungen vorgesehene Fördermöglichkeiten aufmerksam machen und sie dahingehend beraten.

Folgende gesetzliche Regelungen können von ADHS-Kindern bzw. deren Eltern in Anspruch genommen werden:

Regelungen der Kultusministerien zum so genannten Nachteilsausgleich

Die Regelung des Umgangs mit kranken Kindern in den Schulen obliegt den Kultusministerien der Länder. Ein Vergleich der Regelungen der Kultusministerien zeigt, dass keiner der Erlasse ADHS namentlich ausweist. Somit fällt ADHS unter die Erlasse zu „Krankheiten“ allgemein und unter den Punkt „Sonderpädagogische Förderung“. Voraussetzung dafür ist, dass eine ärztliche Diagnose mit entsprechender Empfehlung für die Schule vorliegt.

Der Nachteilsausgleich

Der so genannte Nachteilsausgleich wird in den meisten Bundesländern in den Schulgesetzen für kranke Schülerinnen und Schüler geregelt. Er sieht besondere Maßnahmen seitens der Schule vor, wie zum Beispiel eine Zeitverlängerung bei Klassenarbeiten. Ob ein solcher Nachteilsausgleich gewährt wird, entscheidet die Schule selbst; Antragsteller sind bei minderjährigen Kindern die Eltern.

Stellvertretend für die verschiedenen Regelungen in den einzelnen Bundesländern finden Sie hier eine kurze Übersicht über die Regelungen zum Nachteilsausgleich durch das hessische Kultusministerium.

Aufgrund des § 50 Hessisches Schulgesetz haben die allgemeinen Schulen und die Sonderschulen den gemeinsamen Auftrag, bei der Rehabilitation und Eingliederung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen bzw. mit sonderpädagogischem Förderbedarf in die Gesellschaft mitzuwirken.

Dieser Auftrag und Artikel 3 Absatz 3 Satz 2 des Grundgesetzes erfordern die besondere Fürsorge der Schule im täglichen Schulleben in und außerhalb von Unterricht. Bei Prüfungen ist Schülern und Schülerinnen nach dem Grundsatz des § 6 Abs. 2 Hessische Laufbahnverordnung (HLVO) ein ihrer körperlichen Behinderung angemessener Nachteilsausgleich zu gewähren, die fachlichen Anforderungen dürfen jedoch nicht geringer bemessen werden.

Paragraph 12 der Verordnung über Unterricht, Erziehung und sonderpädagogische Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen (VOSB) regelt die Gestaltung des gemeinsamen Unterrichts für Schüler und Schülerinnen mit abweichender Zielsetzung.

Schüler und Schülerinnen mit Behinderungen, die zielgerichtet unterrichtet werden können, haben Anspruch auf Nachteilsausgleich bei Leistungsanforderungen im Rahmen der allgemeinen Fürsorgepflicht der Schule und der entsprechenden Regelungen zum Nachteilsausgleich in § 126 des Sozialgesetzbuchs (SGBIX)

Schülern und Schülerinnen mit Behinderungen, die gemeinsam mit Nichtbehinderten unterrichtet werden, darf bei der Leistungsvermittlung kein Nachteil aufgrund ihrer Behinderung entstehen.

Bei mündlichen, schriftlichen, praktischen und sonstigen Leistungsanforderungen ist auf die Behinderung des Schülers bzw. der Schülerin angemessen Rücksicht zu nehmen und ggf. ein Nachteilsausgleich zu schaffen bzw. eine differenzierte Leistungsanforderung zu stellen, z.B.:

  • verlängerte Arbeitszeiten bei Klassenarbeiten;
  • Bereitstellen bzw. Zulassen spezieller Arbeitsmittel (Schreibmaschine, Computer ohne Rechtschreibprüfung, Kassettenrecorder, größere bzw. spezifisch gestaltete Arbeitsblätter, größere Linien, spezielle Stifte u. Ä.);
  • mündliche statt schriftlicher Prüfung (z. B. einen Aufsatz auf Band sprechen); Zusätzliche Unterstützung für ADHS-Kinder und deren Eltern;
  • unterrichtsorganisatorische Veränderungen (z.B. individuell gestaltete Pausenregelungen, individuelle Arbeitsplatzorganisation, Verzicht auf Mitschrift von Tafeltexten);
  • differenzierte Hausaufgabenstellung;
  • Differenzierte Aufgabenstellung, insbesondere auch bei besonderen Schwierigkeiten in Deutsch, in den Fremdsprachen oder – in der Grundschule – beim Rechnen.
  • individuelle Sportübungen.

Ein Nachteilsausgleich ist auch bei einer nur vorübergehenden Funktionsbeeinträchtigung (z. B. bei Armbruch) zu gewähren.

Die Entscheidung über einen Nachteilsausgleich und seine Dauer trifft die Klassenkonferenz auf Antrag. Antragsberechtigt sind für minderjährige Schülerinnen und Schüler die Eltern, im Übrigen die volljährige Schülerin bzw. der Schüler selbst.

Über eine Behinderung oder eine vorübergehende Beeinträchtigung ist ein entsprechender Nachweis zu erbringen.

Über Art und Umfang eines zu gewährenden Nachteilsausgleiches entscheidet die Leiterin bzw. der Leiter der besuchten Schule in Absprache mit den unterrichtenden Lehrkräften.

Ihre bzw. seine Entscheidung ist zu den Akten zu nehmen. In Zweifelsfällen ist die Entscheidung der Schulaufsichtsbehörde einzuholen.

Ein Vermerk über den gewährten Nachteilsausgleich darf nicht in Arbeiten und Zeugnissen erscheinen (§7 der Verordnung zur Gestaltung des Schulverhältnisses (VOGSV) vom 19.08.2011).

Regelungen im Kinder- und Jugendhilfegesetz

Neben den Regelungen zum Nachteilsausgleich bieten auch entsprechende Regelungen im Kinder- und Jugendhilfegesetz potentielle Unterstützung für Eltern von ADHS-Kindern.

Betroffene können sich insbesondere auf den vierten Abschnitt des KJHG berufen, der die „Hilfe zur Erziehung“ und die „Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche“ regelt.

Wichtig ist, dass Sie die Eltern auf den unterstützenden Charakter der Jugendhilfe aufmerksam machen. Oft haben Eltern Berührungsängste mit dem Jugendamt, da sie auf keinen Fall als „Sozialfall“ gelten wollen.