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Schule

Die durch eine ADHS-Erkrankung ausgelösten Verhaltensweisen werden besonders im Schulalltag häufig fehlinterpretiert. Anstelle einer Erkrankung sehen viele Lehrkräfte nur die gängigen Stereotypen des "Störenfrieds" oder der "Träumsuse".  

Kinder mit ADHS sind allerdings nicht absichtlich impulsiv oder verträumt, sie können nicht anders. Viele betroffene Kinder leiden unter ihren Schwächen, weil sie selbst bemerken, dass sie die Hausaufgaben eigentlich begreifen müssten. Sie schämen sich dafür und setzen sich selbst unter Druck, was nicht selten zu ausgeprägter Prüfungs- und Versagensangst führt und das Selbstwertgefühl beeinträchtigt.

Oft lange unerkannt

Der unaufmerksame, nicht hyperaktive Typ fällt meist erst in späteren Schuljahren auf, wenn die Anforderungen steigen. Mangelnde Konzentrationsfähigkeit zeigt sich bei einigen ADHS-Kindern häufig erst in der Oberstufe, wenn Unterrichtsinhalte nicht mehr spielerisch erlernt werden können, sondern in Ruhe am Schreibtisch erarbeitet werden müssen. Kinder mit ADHS lernen meist nur unter massivem Druck, kurz vor einer Prüfung. Das Lernen wird so zu einem großen Stressfaktor.

Auch Lehrer müssen lernen

Unwissende Lehrer werfen den betroffenen Kindern häufig Faulheit und Widerspenstigkeit vor. Dadurch werden sie zunehmend entmutigt und ihre Leistungen fallen noch mehr ab. Lehrer müssen deshalb für die Probleme des Kindes sensibilisiert und über die Erkrankung aufgeklärt werden. Sprechen Sie daher möglichst früh mit den Lehrern und involvieren Sie dabei gegebenfalls auch den behandelnden Arzt oder Psychologen.

Schulalltag – Viele Probleme, eine Ursache

Kinder mit ADHS haben oft erhebliche Lern- und Beziehungsprobleme in der Schule. Mit dem Beginn der Schulzeit werden die Anforderungen größer und die Symptome der ADHS treten häufig erst dann deutlich hervor.

Häufige Auffälligkeiten in der Schule

Häufige Auffälligkeiten in der Schule

  • Stark schwankende Leistungen (sehr gute Leistungen in einzelnen Bereichen, in anderen unerklärliche Leistungsschwächen)
  • Eingeschränkte Konzentration und fehlendes Durchhaltevermögen bei gestellten Aufgaben (nicht zu Ende führen von Aufgaben, Zeichnungen oder Handarbeiten)
  • Eingeschränkte systematisches Erfassen von Unterrichtsinhalten, weil die Kinder nur oberflächlich bei der Sache sind
  • Große Schwierigkeiten, auf Anforderungen hin Leistungen zu erbringen und flexibel von einer Aufgabe zur nächsten zu wechseln (zeigt sich besonders dann, wenn die Kinder trotz Kenntnis auf eine gestellte Frage keine schnelle Antwort geben können)
  • Fehlende Reaktion bei Ansprache durch den Lehrer
  • Träumereien und ständiges aus dem Fenster schauen
  • Vergessen von wichtigen Unterlagen oder Aufgaben
  • Häufiges Zuspätkommen und Schuleschwänzen
  • Motorische Ungeschicklichkeit, die sich z. B. in einer unregelmäßigen Schrift zeigt
  • Unruhiges Verhalten (ins Heft kritzeln, mit dem Stuhl schaukeln, zappeln, während des Unterrichts in der Klasse herumlaufen)
  • Ungeduld (Beantworten einer Frage, bevor sie fertig gestellt wurde und ohne aufgerufen worden zu sein)
  • Stören des Unterrichts und Missachten von Regeln (Ärgern der Mitschüler, Aggressivität, Klassenkasper-Verhalten)
  • Kontaktstörungen (Kinder finden häufig keinen Anschluss, haben keine Freunde, bleiben Außenseiter)

Oft treten bei einer ADHS-Erkrankung auch Begleiterscheinungen wie eine Lese-, Rechtschreib- und Rechenschwäche, sowie Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung und im Schriftbild auf.

Hausaufgaben

Hausaufgaben

Hausaufgaben werden häufig zum Drama, werden immer wieder verschoben und zu umgehen versucht. Setzen sich die Kinder schließlich doch an die Schulaufgaben, treten viele Sorgfaltsfehler auf. Die Kinder stehen ständig wieder auf und können sich nicht konzentrieren, suchen immer wieder Neues und Interessantes und registrieren oft Nebensächlichkeiten.

Manche Kinder lernen auch mit übergroßem Eifer und übertriebenem zeitlichen Einsatz. Dies erklärt sich dadurch, dass Kinder mit ADHS selbst einfachste Dinge nicht aus dem Kopf abrufen können. Daher sehen sie sich nur durch viel Lernen in der Lage, den Lernstoff in der Schule wiederzugeben. Häufig ist nur reines Auswendiglernen möglich.

Weitere Auffälligkeiten sind:

  • Das Schreiben fällt schwer. Der Füller wird verkrampft gehalten und mit hohem Druck übers Papier geführt.
  • Gegenstände, die für Schularbeiten wichtig sind, werden verloren.
  • Gelerntes wird nur schwer zu einem Ganzen zusammengefügt. Details werden erinnert, meist aber nicht der Gesamtzusammenhang.

Was Sie tun können

Was Sie tun können

Kinder mit ADHS sind im Durchschnitt nicht mehr und nicht weniger intelligent als ihre Altersgenossen. Sie können aber aufgrund von ADHS ihr intellektuelles Potenzial oft nicht voll ausschöpfen.

Durch die richtige Vorbereitung und Zusammenarbeit mit dem Lehrer kann der Schulalltag für Kinder mit ADHS verbessert werden.

Vorbereitung gegen Ablenkung

Vorbereitung gegen Ablenkung

Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind so wenig wie möglich von seinen Aufgaben in der Schule abgelenkt wird. Dazu gehört die sorgfältige Vorbereitung der Schreibgeräte (Bleistifte anspitzen und Füller mit Tinte versorgen) genauso, wie das Entfernen von Spielsachen aus dem Ranzen.

Auch die Sortierung und eindeutige Markierung der verschiedenen Schulhefte, zum Beispiel über die Farbe der Umschläge, vereinfacht Ihrem Kind das Arbeiten.

Reden Sie mit den Lehrern

Reden Sie mit den Lehrern

  • Nur in Zusammenarbeit mit den Lehrern kann Ihr Kind in der Schule optimal unterstützt werden. Besonders die Beziehung zwischen Kind und Lehrer spielt eine entscheidende Rolle.
  • Genau wie im Familienalltag sollte das Kind in der Schule regelmäßig Lob erhalten und vor Diskriminierung durch andere Kinder geschützt werden. Konkurrenzsituationen mit anderen Kindern sollten vermieden werden. Kleinere Aufgaben, die auch im Unterricht für Bewegung sorgen, wie zum Beispiel das zwischenzeitliche Abwischen der Tafel, können die Hyperaktivität mildern.
  • Eine Anpassung der Unterrichtsstrategien kann von Vorteil sein: So können mündliche Prüfungen und Multiple Choice Tests das Kind entlasten, da es sich nicht mit dem Vorgang des Schreibens beschäftigen muss.

Ablenkungen im Unterricht vermeiden

Ablenkungen im Unterricht vermeiden

  • Bitten Sie den Lehrer, Ihr Kind in die erste Reihe zu setzen. Auf diese Weise kann nicht nur der Lehrer leichter eingreifen, das Kind ist auch vor der Ablenkung durch Dritte besser geschützt.

Informationen zu gesetzlichen Ansprüchen bei ADHS

Die meisten ADHS-Kinder benötigen in der Schule besondere Unterstützung und Förderung, damit sie ihre Möglichkeiten ausschöpfen und somit den schulischen Erfordernissen gerecht werden können.

ADHS-Kinder bzw. deren Eltern können dafür eine ganze Reihe gesetzlicher Regelungen in Anspruch nehmen. Im schulischen Bereich sind dies vor allem die Regelungen der Kultusministerien zum so genannten Nachteilsausgleich:

Hintergrund

Die Regelung des Umgangs mit kranken Kindern in den Schulen obliegt den Kultusministerien der Länder. Ein Vergleich der Regelungen der Kultusministerien zeigt, dass keiner der Erlasse ADHS namentlich ausweist. Somit fällt ADHS unter die Erlasse zu „Krankheiten“ allgemein und unter den Punkt „Sonderpädagogische Förderung“. Voraussetzung dafür ist, dass eine ärztliche Diagnose mit entsprechender Empfehlung für die Schule vorliegt.

Der Nachteilsausgleich

Der so genannte Nachteilsausgleich wird in den meisten Bundesländern in den Schulgesetzen für kranke Schülerinnen und Schüler geregelt. Er sieht besondere Maßnahmen seitens der Schule vor, wie zum Beispiel eine Zeitverlängerung bei Klassenarbeiten. Ob ein solcher Nachteilsausgleich gewährt wird, entscheidet die Schule selbst; Antragsteller sind bei minderjährigen Kindern die Eltern.

Stellvertretend für die verschiedenen Regelungen in den einzelnen Bundesländern finden Sie hier eine kurze Übersicht über die Regelungen zum Nachteilsausgleich durch das hessische Kultusministerium.

Aufgrund des § 50 Hessisches Schulgesetz haben die allgemeinen Schulen und die Sonderschulen den gemeinsamen Auftrag, bei der Rehabilitation und Eingliederung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen bzw. mit sonderpädagogischem Förderbedarf in die Gesellschaft mitzuwirken.

Dieser Auftrag und Artikel 3 Absatz 3 Satz 2 des Grundgesetzes erfordern die besondere Fürsorge der Schule im täglichen Schulleben in und außerhalb von Unterricht. Bei Prüfungen ist Schülern und Schülerinnen nach dem Grundsatz des § 6 Abs. 2 Hessische Laufbahnverordnung (HLVO) ein ihrer körperlichen Behinderung angemessener Nachteilsausgleich zu gewähren, die fachlichen Anforderungen dürfen jedoch nicht geringer bemessen werden.

Paragraph 12 der Verordnung über Unterricht, Erziehung und sonderpädagogische Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen (VOSB) regelt die Gestaltung des gemeinsamen Unterrichts für Schüler und Schülerinnen mit abweichender Zielsetzung.

Schüler und Schülerinnen mit Behinderungen, die zielgerichtet unterrichtet werden können, haben Anspruch auf Nachteilsausgleich bei Leistungsanforderungen im Rahmen der allgemeinen Fürsorgepflicht der Schule und der entsprechenden Regelungen zum Nachteilsausgleich in § 126 des Sozialgesetzbuchs (SGBIX)

Schülern und Schülerinnen mit Behinderungen, die gemeinsam mit Nichtbehinderten unterrichtet werden, darf bei der Leistungsvermittlung kein Nachteil aufgrund ihrer Behinderung entstehen.

Bei mündlichen, schriftlichen, praktischen und sonstigen Leistungsanforderungen ist auf die Behinderung des Schülers bzw. der Schülerin angemessen Rücksicht zu nehmen und ggf. ein Nachteilsausgleich zu schaffen bzw. eine differenzierte Leistungsanforderung zu stellen, z.B.:

  • verlängerte Arbeitszeiten bei Klassenarbeiten;
  • Bereitstellen bzw. Zulassen spezieller Arbeitsmittel (Schreibmaschine, Computer ohne Rechtschreibprüfung, Kassettenrecorder, größere bzw. spezifisch gestaltete Arbeitsblätter, größere Linien, spezielle Stifte u. Ä.);
  • mündliche statt schriftlicher Prüfung (z. B. einen Aufsatz auf Band sprechen); Zusätzliche Unterstützung für ADHS-Kinder und deren Eltern;
  • unterrichtsorganisatorische Veränderungen (z.B. individuell gestaltete Pausenregelungen, individuelle Arbeitsplatzorganisation, Verzicht auf Mitschrift von Tafeltexten);
  • differenzierte Hausaufgabenstellung;
  • Differenzierte Aufgabenstellung, insbesondere auch bei besonderen Schwierigkeiten in Deutsch, in den Fremdsprachen oder – in der Grundschule – beim Rechnen.
  • individuelle Sportübungen.

Ein Nachteilsausgleich ist auch bei einer nur vorübergehenden Funktionsbeeinträchtigung (z. B. bei Armbruch) zu gewähren.

Die Entscheidung über einen Nachteilsausgleich und seine Dauer trifft die Klassenkonferenz auf Antrag. Antragsberechtigt sind für minderjährige Schülerinnen und Schüler die Eltern, im Übrigen die volljährige Schülerin bzw. der Schüler selbst.

Über eine Behinderung oder eine vorübergehende Beeinträchtigung ist ein entsprechender Nachweis zu erbringen.

Über Art und Umfang eines zu gewährenden Nachteilsausgleiches entscheidet die Leiterin bzw. der Leiter der besuchten Schule in Absprache mit den unterrichtenden Lehrkräften.

Ihre bzw. seine Entscheidung ist zu den Akten zu nehmen. In Zweifelsfällen ist die Entscheidung der Schulaufsichtsbehörde einzuholen.

Ein Vermerk über den gewährten Nachteilsausgleich darf nicht in Arbeiten und Zeugnissen erscheinen (§7 der Verordnung zur Gestaltung des Schulverhältnisses (VOGSV) vom 19.08.2011).

Keine Angst vorm Jugendamt

Neben den Regelungen zum Nachteilsausgleich bieten auch entsprechende Regelungen im Kinder- und Jugendhilfegesetz potentielle Unterstützung für Eltern von ADHS-Kindern.

Betroffene können sich insbesondere auf den vierten Abschnitt des KJHG berufen, der die „Hilfe zur Erziehung“ und die „Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche“ regelt.

Viele Eltern haben jedoch Berührungsängste mit dem Jugendamt, da sie auf keinen Fall als „Sozialfall“ gelten wollen. Die Jugendhilfe hat jedoch in erster Linie unterstützenden Charakter.

Ob und welche Zuwendungen Familien allerdings erhalten, hängt von den einzelnen Jugendämtern ab. Oft werden Anträge auf Kostenübernahme privater Anbieter angesichts leerer Kassen abgelehnt.

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