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Newsletter 06 2007

Mit allen Mitteln zum Erfolg?

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Kinder mit ADHS haben es in der heutigen Leistungsgesellschaft besonders schwer. Situationsbezogene, kurzfristige Leistungssteigerung reicht jedoch nicht aus, um diesen Kindern zu helfen, mit den an sie gestellten Herausforderungen zurechtzukommen und ihre Lebensperspektive zu verbessern.

In unserer leistungsorientierten Gesellschaft werden bereits an Kinder hohe Anforderungen gestellt: In der Schule gute Noten erreichen und auch in der Freizeit – beim Sport oder im Musikunterricht – engagiert und erfolgreich bei der Sache sein. Eltern wollen, dass für ihre Kinder frühzeitig der Grundstein für ein erfolgreiches Leben gelegt wird. Erfolgreich ist dabei, wer Leistung erbringt – im schulischen wie beruflichen Bereich und auch darüber hinaus.

Die Familie muss „funktionieren“

Um unter diesen Voraussetzungen in der Gesellschaft mithalten zu können, hat sich in vielen Familien auch die Kindererziehung an die veränderten Anforderungen angepasst. So sind Eltern heute oftmals nicht nur Eltern, sondern auch Zeit- und Beziehungsmanager. Neben den schulischen Verpflichtungen müssen Freizeitaktivitäten und Verabredungen mit Freunden vereinbart und miteinander koordiniert werden. „In vielen Familien geht es heute darum, dass alles und alle funktionieren, wie es von ihnen erwartet wird – auch das Kind“, stellt Familien- und Kommunikationsberater Dr. Jan-Uwe Rogge fest (vgl. auch unser Interview in der Rubrik „Tipps und Tricks für den Alltag“). Häufig wird dabei sogar das Selbstwertgefühl des Kindes ausschließlich an seinen Erfolgen gemessen. Doch gesellschaftlich anerkannte Leistungserfolge reichen für die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls nicht aus. „Kinder brauchen das Gefühl, von anderen angenommen zu werden – ob in der Familie oder im Freundeskreis –, damit sie sich selbst annehmen, mit sich selbst klar kommen können“, so Rogge.

Bildquelle: irisblende.de


ADHS passt nicht ins Bild

Für Kinder mit ADHS ist es besonders schwierig, den an sie gestellten Anforderungen zu begegnen. Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität – die Kernsymptome von ADHS – machen es den Kindern oft unmöglich, die geforderten Leistungen zu erbringen und sich in den gesellschaftlichen Rahmen – in diesem Fall hauptsächlich die Schule – einzufügen. In der Behandlung konzentriert man sich daher vor allem darauf, den Kindern die Erfüllung der gesellschaftlichen Erwartungen zu ermöglichen. Die Probleme der Kinder, aber auch die Erfolge einer Therapie, werden im Zusammenhang mit leistungsbezogenen Bereichen gesehen. Hier lassen sich Verbesserungen besonders gut erkennen, beispielsweise an einer Verbesserung der Schulnoten. Häufig wird daraus abgeleitet, dass es dem Kind dadurch insgesamt besser geht.

Perspektivenwechsel erforderlich

Wenn das Hauptaugenmerk auf die leistungsbezogenen, eher äußerlich erkennbaren Aspekte gerichtet ist, werden die emotionalen und sozialen Probleme, die für Kinder mit ADHS ebenfalls schwerwiegend sein können1,2,vernachlässigt. Die Betroffenen haben zum Beispiel Schwierigkeiten, Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen und innerhalb der Familie aufrechtzuerhalten, werden von anderen ausgegrenzt und weisen daher ein geringes Selbstwertgefühl auf. Ein Perspektivenwechsel in der ADHS-Behandlung kann helfen, den Kindern eine normale Entwicklung zu ermöglichen und eine Lebensperspektive zu bieten: das Ablegen der „Leistungsbrille“ ermöglicht eine Sichtweise, die die individuellen Stärken und Möglichkeiten des Kindes in den Mittelpunkt stellt. Wie nicht nur Therapeuten, sondern vor allem auch die Eltern das Kind dabei maßgeblich unterstützen können, erfahren Sie im Interview mit Familien- und Kommunikationsberater Dr. Rogge.

Tipps und Tricks für den Alltag

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„Selbstwertgefühl fördern“

Familien- und Kommunikationsberater Dr. Jan-Uwe Rogge rät Eltern, die Stärken ihres Kindes zu unterstützen – nicht nur bei ADHS.

info-adhs: Herr, Dr. Rogge,wie können Eltern ihr Kind dabei unterstützen, ein gesundes Selbstwertgefühl aufzubauen?

Dr. Rogge: Um das Selbstbild zu verändern, muss sich das Kind selbst so annehmen wie es ist. Dies kann es lernen, indem ihm die Eltern und das gesamte Umfeld eine ähnliche Einstellung vorleben. Ein gesteigertes Selbstwertgefühl wirkt sich nicht nur auf das Kind positiv aus, sondern entlastet auch das Familienleben.

info-adhs: Warum haben gerade Kinder mit ADHS Schwierigkeiten, ein stabiles Selbstwertgefühl aufzubauen?

Dr. Rogge: Kinder mit ADHS können sich selbst auf Grund ihrer Situation nicht richtig wahrnehmen. Dies erschwert häufig den Aufbau ihres Selbstwertgefühls. Sie definieren sich vor allem dann durch die Aus- und Abgrenzung von anderen, die sie täglich erfahren, und nicht über ihre zweifellos vorhandenen Stärken.

info-adhs: Wie kann diese Unterstützung im Alltag konkret aussehen?

Dr. Rogge: Es ist vor allem wichtig, dem Kind das Gefühl zu vermitteln, so angenommen zu sein, wie es ist. Das bedeutet, an den Kompetenzen des Kindes anzusetzen. Ist dem Kind etwas gelungen, sollten die Eltern dies deutlich anerkennen und es konsequent ermutigen. Ein Lächeln oder ein aufmunterndes „weiter so“ sind dafür schon ein guter Anfang.


Buchtipp: Jan-Uwe Rogge. Der große Erziehungsberater. Rowohlt Taschenbuch Verlag 2006.

Jan-Uwe Rogge begleitet und berät Eltern in diesem Buch bei der Entwicklung ihrer Kinder von Schwangerschaft und Geburt bis hin zum Beginn der Pubertät mit vielen anschaulichen Beispielen aus dem Erziehungsalltag.

Service

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Adventskalender basteln

Es muss nicht immer ein gekaufter Schokoladenkalender sein. Schöne Adventskalender kann man auch ganz einfach selbst gestalten und befüllen. Und wenn die Kinder beim Basteln mithelfen, steigt die Vorfreude auf das erste Päckchen noch ein bisschen mehr.

Die Grundlage: Besondere Weihnachtsstimmung verbreitet ein Adventskalender in Form eines großen Tannenzweigs oder einer Minitanne im Topf, die Sie im Gartenmarkt bekommen. Auch eine Kordel, die durchs Zimmer gespannt und mit Tannenzweigen und Anhängern geschmückt wird, kann als Adventskalender dienen. Als zusätzliches „Schmankerl“ darf das Kind für jedes geöffnete „Türchen“ einen Weihnachtsschmuck aufhängen. So ist am Weihnachtstag alles schön geschmückt.

Die „Türchen“: Bei der Gestaltung der „Türchen“ sind Ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt. Schön wirken kleine Päckchen aus selbst genähten Stoff-, Servietten- oder Filzsäckchen. Aber auch Klopapierrollen, Papp- oder Streichholzschachteln für kleinere Geschenke können als Verpackung dienen – z. B. in Geschenkpapier oder Glanzfolie eingewickelt und mit weihnachtlichen Motiven aus Tonpapier beklebt. An den Zweigen oder der Kordel können die Päckchen mit Geschenkband oder Wäscheklammern befestigt werden.

Die Füllung: Es müssen nicht immer Süßigkeiten sein. Als Inhalt eignet sich alles, was Kindern Freude bereitet: Spielfiguren, Legosteine, Buntstifte, Mini-Spiele oder -Puzzles, kleine Bücher oder Kinderschmuck – im Kaufhaus oder Spielwarenladen werden Sie sicher zahlreiche kleine Schätze entdecken. Auch Gutscheine für einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt, zum Schlittschuhlaufen oder dem gemeinsamen Plätzchenbacken kommen immer gut an.

Viel Spaß beim Basteln und eine besinnliche Adventszeit!


  1. Barkley RA. Major life activity and health outcomes associated with attention-deficit/hyperactivity disorder. J Clin Psychiatry 2002; 63 (suppl 12):10–15.
  2. Slomkowski et al. Is self-esteem an important outcome in hyperactive children? J Abnormal Child Psychiatry1995; 23:303–315.
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