Auch für Lehrer stellt der Umgang mit einem ADHS-Kind eine besondere Herausforderung dar. Denn im Unterricht sind die Anforderungen an die Konzentration und Selbstkontrolle der betroffenen Kinder deutlich höher als in der Freizeit. Dadurch sind ihre Schwierigkeiten in der
Schule sogar noch ausgeprägter als in der Familie.
Eine Behandlung im Sinne des
multimodalen Therapiekonzepts kann eine Besserung der familiären als auch der schulischen Situation bewirken. Aber die
medikamentöse oder
psychotherapeutische Behandlung löst nicht alle Probleme. Die aktive Mitarbeit aller Familienmitglieder und Bezugspersonen des Kindes ist hier gefordert. Regeln einzuführen und konsequent zu sein ist mühsam und kostet Kraft. Aber nur, wenn alle Beteiligten eng in die Behandlung des Kindes miteingebunden werden, kann eine Therapie langfristig Erfolg haben.
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Machen Sie sich – auch wenn es oft nicht leicht ist – immer wieder klar, dass das ADHS-Kind ruhig und aufmerksam sein möchte, es aber aufgrund seiner Störung einfach nicht kann. Aufgaben und Anforderungen, die für andere Kinder leicht zu bewältigen sind, sind für das ADHS-Kind oft Schwerstarbeit. Versuchen Sie den Blick darauf zu richten, was das Kind leisten kann und bestärken Sie es darin. Kritik lähmt das Kind unnötig.
Ein ADHS-Kind sollte möglichst weit vorn im Klassenzimmer und dabei nicht an einem Gruppentisch oder neben anderen unruhigen Kindern sitzen, da es sonst zusätzlich abgelenkt wird. Es sollte frontal auf die Tafel schauen können. Damit es sich besser konzentrieren kann, sollten sich auf dem Tisch nur die Materialien befinden, die aktuell benötigt werden.
Schaffen Sie klare Strukturen. Da einem ADHS-Kind die Selbststeuerung schwer fällt, profitiert es von einer guten Außenstruktur (zum Beispiel durch klare Anweisungen: „hör zu/lies genau – überprüfe – gut gemacht“). Unterteilen Sie Aufgaben in Zwischenschritte. Lerneinheiten sollten kurz und kompakt sein und besonders in den ersten Schulklassen durch Bewegungspausen unterbrochen werden. Fassen Sie Arbeitsergebnisse in Merksätzen zusammen. Üben und vertiefen Sie wichtige Lerneinheiten durch Wiederholung. Nutzen Sie verschiedene didaktische Mittel und gestalten Sie den Unterricht abwechslungsreich.
In Absprache mit den Eltern können einige wichtigen Regeln aufgestellt und mit dem Kind besprochen werden. Führen Sie dem Kind vor Augen, welche Konsequenzen es hat, wenn die Regeln nicht eingehalten werden. Seien Sie bestimmt und lassen Sie sich nicht durch steigende Erregung des Kindes oder Beschimpfungen aus der Ruhe bringen. Diese Attacken sind nicht persönlich gemeint.
Melden Sie positives Verhalten häufig und unmittelbar zurück und überprüfen Sie stets die erteilten Aufgaben. Ein ADHS-Kind hat ein starkes Bedürfnis nach Rückmeldung, Anerkennung und Nähe.
Bauen Sie das Selbstbewusstsein und Vertrauen des Kindes in seine eigenen Fähigkeiten auf, indem Sie ihm Verantwortung für andere übertragen und seine positiven Eigenschaften wie Kreativität oder Einfühlungsvermögen hervorheben. Stellen Sie das Kind und seine Schwächen nicht bloß und bleiben Sie auch bei Regelverstößen sachlich. Reagieren Sie dennoch immer konsequent und unmittelbar darauf, z.B. mit Wegsetzen des Kindes, wenn es Mitschüler stört.
Sprechen Sie das ADHS-Kind grundsätzlich fest, ruhig und bestimmt an, setzen Sie verstärkt Blick-und Körperkontakt ein (Berühren an der Schulter). Lassen Sie sich nicht auf Grundsatzdiskussionen ein, sondern reagieren Sie kurz, knapp und immer sachbezogen. Geben Sie klare Arbeitsanweisungen und vergewissern Sie sich, dass das Kind Sie verstanden hat.
Tauschen Sie sich regelmäßig mit den Eltern des ADHS-Kindes aus und versuchen Sie gemeinsam Lösungen für auftretende Probleme zu finden. Vermeiden Sie eine Haltung, die von den Eltern als vorwurfsvoll wahrgenommen werden könnte. Wenn trotz aller gemeinsamen Bemühungen die Situation nicht zu bewältigen ist, empfehlen Sie den Eltern, therapeutische Hilfe zu suchen. Dies kann der schulpsychologische Dienst sein oder ein Kinder- und Jugendpsychiater bzw. -therapeut.
Tauschen Sie sich bei Problemen oder offenen Fragen mit anderen Lehrkräften, Beratungslehrern oder Schulpsychologen aus. Vielleicht haben diese bereits Erfahrungen mit ADHS-Kindern gesammelt und können Ihnen wertvolle Tipps geben. Auch außerschulische Hilfsangebote von Erziehungsberatungsstellen, Jugendämtern, Ärzten, Kliniken oder Therapeuten können Ihnen wichtige Unterstützung bieten.
Weitere Tipps finden Sie in dem Einleger der Broschüre des Hamburger Arbeitskreises -
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