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Tipp 4: Tic-Erkrankung, Tourette-Syndrome, Depression und Angststörung

ADHS kann gemeinsam mit Angststörungen und Depressionen sowie mit Tic-Erkrankung oder Tourette-Syndrom auftreten. Diese zusätzlichen Störungen bzw. Erkrankungen bedürfen einer gesonderten und gezielten Behandlung (1).

Merkmale der Tic-Erkrankung und des Tourette-Syndroms

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Tics sind reflexähnliche Körperbewegungen wie Blinzeln, Grimassieren, Augenverdrehen, Kopfrucken, Schulterzucken, Verkrampfen der Finger, Gliederschlenkern, u. a. (2, 3). Neben den unwillkürlichen, raschen, nicht rhythmischen Bewegungen, sogenannten motorischen Tics, können auch vokale Tics auftreten. Die Kinder stoßen dann z. B. plötzlich Laute aus, die keinem Zweck dienen. Typische vokale Tics sind unwillkürliches, wiederkehrendes Husten, Fiepen, Räuspern, Grunzen, lautes Ein- und Ausatmen, Schnauben, Quieken, aber auch bellende, miauende Laute oder lautes Schreien (4).

Die motorischen und vokalen Tics können sehr kurz, nahezu unmerklich sein und werden deshalb häufig als "Eigenart" oder "Nervosität" verkannt. Andererseits können sie aber auch sehr auffällig sein. Komplexe motorische Tics sind beispielsweise Hüpfen, Springen, in die Hocke gehen oder bizarre Arm- und Rumpfbewegungen (2, 3).

Die schwerste Form der Tic-Störung ist das Tourette-Syndrom (4). Bei dieser Störung treten motorische und vokale Tics gemeinsam auf (1). Die Betroffenen leiden häufig unter Hänseleien der Mitschüler oder Strafen der Lehrer, da sie den Schulunterricht - vermeintlich absichtlich - stören (3).

Tics werden meist als nicht willkürlich beeinflussbar erlebt. Die Betroffenen können die Tics aber vielfach zeitweise, für wenige Minuten oder manchmal auch Stunden, unterdrücken (3, 4). Die Betroffenen schildern, das Unterdrücken sei unangenehm und anstrengend. Viele Tourette-Betroffene unterdrücken Tics daher nicht gerne für längere Zeit. Nachfolgend treten meist stärkere Tics auf, so als ob sich unterdrückte Tics aufstauen und dann noch stürmischer entladen würden.

Charakteristisch ist, dass sich die Intensität, Form, Lokalisation, Häufigkeit und Schwere der Tics ständig wandelt. Neue Tics können z. B. entstehen, während frühere Tics nicht mehr auftreten (3).

Die Ursachen für Tics und das Tourette-Syndrom sind bis heute nicht abschließend geklärt. Beim Tourette-Syndrom wird vermutet, dass der Dopaminstoffwechsel in den Basalganglien, einem Gehirnbereich, in dem auch viele Bewegungsprogramme gespeichert sind, gestört ist (4). Gesichert ist heute, dass dem Tourette-Syndrom vielfach eine erbliche Komponente zugrunde liegt (3).

Ob Tics auf spezifische hirnorganische Ursachen zurückgehen, muss differenzialdiagnostisch von einem Neurologen abgeklärt werden. Neben der Behandlung der Kersymptome der ADHS müssen Tic-Erkrankungen gesondert behandelt werden (1, 2).

Eine Heilung ist bisher nicht möglich. Es stehen jedoch je nach Symptomart und Symptomschwere verschiedene Medikamente zur Behandlung zur Verfügung. Unkontrollierbarer Stress, Trennungssituationen (Umzug, Scheidung der Eltern, Tod eines Angehörigen), aber auch Erlebnisse wie die Einschulung können eine vorübergehende Verschlechterung bewirken. Entspannung und Ruhe sowie ein verständnisvolles und klar geregeltes, verläßliches, stabiles soziales Umfeld führen eher zu einer Symptomminderung.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung können Verhaltensprobleme und psychische Störungen, wie Zwänge, Ängste und Depressionen auftreten. Eine frühzeitige Diagnostik und Therapie ist daher für den Verlauf der Erkrankung entscheidend (3).

Angststörung und Depressionen

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Ängste und Depressionen können durch die häufigen Negativerfahrungen ausgelöst werden, die Kinder und Jugendliche mit ADHS jahrelang haben können. Sie erleben oft schon früh Misserfolge, Bloßstellungen, Strafen, Kränkungen und Blamagen. Ihnen fehlt häufig Anerkennung, Verständnis und ein Gefühl der Zugehörigkeit. Sie spüren das "Anderssein". Infolge dessen kann das Selbstwertgefühl erheblich gestört werden.

Viele Kinder und Jugendliche mit ADHS erleben sich als unfähig, als Versager, als sprunghaft, unzuverlässig und inkonsequent und werden in ihren Gefühlen immer wieder von ihren Mitmenschen bestätigt. Das kann zu Selbstvorwürfen und Depressionen führen. Fehlende soziale Kompetenzen und Kontakte können zusätzlich Schüchternheit und Ängstlichkeit auslösen. Die Angst zu Versagen, nicht zu genügen und sich zu blamieren, kann zum ständigen Begleiter werden (6).Während man häufig die Kernsymptome der ADHS medikamentös behandeln kann, brauchen Patienten mit begleitenden Ängsten und Depressionen oft eine psychotherapeutische Behandlung. Besonders wichtig ist der Einbezug von Eltern und Geschwistern. Ergänzende antidepressive Medikamente können die Therapie unterstützen (6).

Quellen

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  1. Schäfer, Ulrike: Musst du dauernd rumzappeln? Die hyperkinetische Störung: Ein Ratgeber. Verlag Hans Huber, Bern, 2000, 2. überarbeitete Auflage
  2. Lucas, H.: Das neue große Gesundheitsbuch, Südwest Verlag, München, 1995
  3. Bundesverband der Elterninitiativen zur Förderung hyperaktiver Kinder e. V.: Aufmerksamkeitsstörung! Was nun?, Forchheim, 1999
  4. Neurofeedback - eine effektive computergestützte Behandlungsmethode für die Kinder- und Jugendpsychiatrie? www.esf.de/download/media/eeg_neuro.pdf
  5. Lynn George: Spezielle Herausforderungen durch Kinder mit ADHS, Gilles-de-la-Tourette-Syndrom und Autismus in der Adoleszenz: www.hypies.com/ocd/Lynn.html
  6. Rossi, Piero: ADD-Online: ADHS - Selbstwertgefühl, Dissoziation und Identität: www.adhs.ch

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