Aufgrund ihrer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung fehlt es manchen
Erwachsenen mit ADHS an Ausdauer, was zu Problemen am Arbeitsplatz führen kann. Langatmige Sitzungen und eintönige Arbeiten werden zu Stressfaktoren (1,2). Zusätzlich kommt nicht selten das Unvermögen hinzu, angefangene Arbeiten zu Ende zu führen. Bei der Arbeit beschäftigt man sich zu lange mit Nebensächlichkeiten und die wesentlichen Aufgaben werden nicht angemessen schnell erledigt. Vergesslichkeit und Unzuverlässigkeit verstärken die Neigung zur mangelnden Selbstorganisation und belasten das Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten (1,3,4). Manchem Erwachsenen mit ADHS gelingt es nicht, Termine einzuhalten oder sich selbst die Erfüllung bestimmter Aufgaben abzuverlangen. So verstreichen ggf. Termine, die für den Arbeitgeber sogar finanzielle Einbußen zur Folge haben können, ohne dass sich beim Patienten der Antrieb einstellt, endlich den geforderten Arbeitsbeitrag zu leisten. Einige Betroffene weisen zudem eine sehr niedrige Stresstoleranz auf (1,3). Nicht selten trauen sie sich kaum noch etwas zu; ihr Selbstvertrauen hat durch viele negative Erfahrungen schweren Schaden genommen (3, 4).
In Gruppen neigen manche
ADHS-Patienten dazu, anderen ins Wort zu fallen, Themen und Arbeitsabläufe zu bestimmen und nicht zuhören zu können. Mit diesem Verhalten machen sie sich nicht immer Freunde. Häufig neigen Betroffene dazu, unbewusst und spontan die Ideen und Beiträge ihrer Kollegen abzulehnen, wenn sie nicht ins eigene Konzept passen. Eigene als plausibel empfundene Vorstellungen können meist überzeugend und wortgewandt geäußert werden. Dieses Verhalten löst bei den Arbeitskollegen nicht selten Neid gepaart mit Ablehnung aus (2,3). Manche Betroffenen können daher besser alleine arbeiten, nicht zuletzt weil sie sich dann eher konzentrieren können. Großraumbüros sind für sie eher ungeeignet (3).
ADHS bringt nicht nur Probleme für die
Betroffenen mit sich. Bei förderlicher Umgebung wachsen manche Erwachsene mit ADHS förmlich über sich hinaus. Erstaunliche Fähigkeiten werden sichtbar. Wenn die berufliche Tätigkeit Freude macht und sich der Betroffene von Kollegen akzeptiert und geschätzt fühlt und er zudem Erfolge hat, so ist er hoch motiviert, ehrgeizig und zeigt grenzenlosen Einsatz und Hilfsbereitschaft. Durch häufige, freiwillig geleistete Überstunden gehen einige Betroffene aber auch bis an ihre Leistungsgrenzen (2). Kreativität, Phantasie und Spontanität sind weitere positive Eigenschaften, die oft bei
ADHS-Patienten anzutreffen sind. Diese Erwachsene haben nicht selten ein intuitives Gespür für modische Strömungen und gesellschaftliche Entwicklungen (Trends) (1, 2).
Aufgrund der inneren Unruhe und Nervosität oder der noch vorhandenen
Hyperaktivität sollten sich Menschen mit ADHS eine abwechslungsreiche berufliche Tätigkeit suchen, die ausreichend Bewegungsmöglichkeiten bietet. Monotone Schreibtischarbeit ist meist nicht geeignet. Menschen mit ADHS finden sich häufig in sozialen Berufen oder im Journalismus wieder sowie in Berufen, in denen Verkaufstätigkeiten überwiegen, ausgefallene Anforderungen gestellt werden oder Risiken eingegangen werden müssen. Viele machen sich auch selbstständig und kommen dabei durchaus gut zurecht (2).
Weitere Informationen finden Sie in unserer Broschüre
ADHS bei Erwachsenen.
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