Der Weg zur exakten
Diagnose von ADHS ist zeitaufwändig und schwierig, da keine Veränderungen von Laborwerten bekannt sind und die Leitsymptome
Aufmerksamkeits-Defizit,
Hyperaktivität und
Impulsivität bei jedem ADHS-Patienten unterschiedlich ausgeprägt sind. Die
Leitsymptome müssen über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten beobachtet worden sein und mit Hilfe von Fragebögen erfasst werden (1). Dabei werden Schilderungen der Familiengeschichte, Beschreibungen der Entwicklung des Kindes sowie Fremdbeschreibungen von Kindergarten und
Schule einbezogen. Bei Bedarf erfolgen neurologische und neuromotorische Untersuchungen, computergestützte Aufmerksamkeitstests und psychologische Tests (Intelligenz- und Persönlichkeitstests) (2, 3). Die Diagnosestellung orientiert sich an den internationalen Klassifikationssystemen psychiatrischer Störungen - DSM-IV bzw. ICD-10.
Die
Symptome der ADHS sind nicht sehr spezifisch, sie können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Berücksichtigt werden sollten Schilddrüsenerkrankungen, Lungenerkrankungen, Hirntumore, Hirnhautentzündungen, Kopfverletzungen, Durchblutungsstörungen, Chorea Huntington, Multiple Sklerose und Teilleistungsstörungen wie die Legasthenie. Um organische Störungen auszuschließen, werden Blutuntersuchungen, EEG, Computertomogramm oder Kernspintomographie des Kopfes durchgeführt.
Abgegrenzt werden müssen auch psychische Störungen, wie
Depressionen,
Angststörungen, Schizophrenie, Borderline-Persönlichkeiten, antisoziale Persönlichkeitsstörung sowie Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Zur Differenzialdiagnose gehören daher auch Fragen nach den Familienverhältnissen, nach z. B. Konflikten, Trennung, Misshandlung, schwerer Erkrankung der Eltern aber auch nach dem sozialen Umfeld, Missbrauch von Alkohol, Medikamenten und Drogen (4).
Das frühzeitige Erkennen der Erkrankung ist sehr wichtig. Eine auf der Diagnose aufbauende, gezielte Therapie kann bereits bestehende Entwicklungsdefizite ausgleichen und die angespannte familiäre Situation wieder ins Lot bringen.